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Blauwale im Perth Canyon

 

In Perth angekommen haben wir die erste Zeit dazu genutzt, unser rollendes Feriendomizil Outback-tauglich zu machen. Dass wir dabei nur mäßigen Erfolg hatten durften wir lernen, als wir dann tatsächlich unterwegs waren - aber das später ...

Wir hatten erstmal einen Leckerbissen gebucht - eine Blauwal-Whatching Tour. 

 

Der Perth Canyon ist weltweit der einzige Ort, an dem man als Tourist Blauwale in ihrem natürlichen Habitat beobachten kann. Der bis zu 4.000 m tiefe Canyon liegt hinter der Perth vorgelagerten Insel Rottnest Island, und an den Ränder des Abgrunds weiden zu gewissen Zeiten Blauwale auf ihrer Wanderung Richtung Äquator. Die Tour findet auf einem Forschungsschiff statt - und noch weiß man nicht wirklich viel über diese größten Säugetiere, die aktuell auf unserem Planeten leben. 

 

Ein Blauwal kann bis zu 33m lang werden und bis zu 200 (!) Tonnen wiegen. Die Tiere ernähren sich von Plankton, das sie aus dem Meereswasser filtern. Zur Nahrungsaufnahme tauchen sie bei einem typischen Tauchgang für rund 10 Minuten ab, oft in eine Tiefe von etwa 250 m. Wenn sie wieder auftauchen, stoßen sie beim Ausatmen eine hohe Luftfontäne aus, den sogenannten Blas. Dieses Schauspiel konnten wir bei unserer Ganztages-Tour immer wieder bewundern.

Blauwale wurden wie alle Großwale lange gejagt und standen schon am Rand der Ausrottung - seit dem Artenschutzabkommen haben sich die Bestände aber wieder erholt, auch wenn der Blauwal nach wie vor als stark gefährdet eingestuft wird.

 

Blauwale haben nur einen natürlichen Feind - Orcas ... 

Südlich vom Perth Canyon hält sich in den Monaten Januar bis April vor Bremer Bay regelmäßig eine sehr große Orca Schule auf. Dort wurde mehrfach beobachtet, dass 50 bis 100 Orcas gemeinsam einen Blauwal gejagt und zur Strecke gebracht haben. Die Blauwale sehen daher zu, dieses Gebiet auf ihrer Wanderung möglichst schnell zu durchqueren. Während ihrer Wanderung bewegen sich die Tiere relativ nahe der Wasseroberfläche, es kommt selten zu Gruppenbildungen - Blauwale sind Einzeltiere.

Anders als andere Walarten beschränken sie sich nicht nur auf die Sommermonate zur Nahrungsaufnahme - sie fressen rund um das Jahr. Hierbei benötigt schon ein eher kleinerer Blauwal mit einem Gewicht von 80 Tonnen etwa 1,5 Millionen (!) Kalorien pro Tag. Über das Alter, das diese Meeressäuger erlangen können, gibt es keine verlässlichen Zahlen - ältere gestrandete Wale, die man untersucht hat, waren geschätzt 100 Jahre alt - vermutlich können Blauwale aber wesentlich älter werden.

Wie alle Wale kommunizieren auch die Blauwale über Laute im niederen Frequenzbereich, die mit dem menschlichen Ohr nicht wahrgenommen werden können. Tiefe Töne haben unter Wasser eine größere Tragweite, und so können Walgesänge Distanzen von einigen tausend Kilometern überbrücken ... Blauwal-Gesänge sind hierbei simpler und nicht so strophenartig wie die der Buckelwale, die - derart modifiziert, dass wir sie hören können - auf eine mystische Weise sehr berührend sind.

 

Zurück zu unserer Tour - nachdem wir Rottnest Island hinter uns gelassen hatten, waren wir mehr oder weniger ungeschützt auf dem offenen Meer. Die Crew meinte, es sei ein wunderbar ruhiger Tag - dennoch schaukelte unser Schiff gewaltig. Das hatte zur Folge, dass sich etwa ein Drittel der Passagiere als nicht seefest entpuppte und überall Kotztüten verteilt werden mussten. Ein paar der Leute hatte es sogar derart erwischt, dass die Ärmsten für den Rest der Tour nur noch kreidebleich unter Deck lagen. Wir waren unter den Glücklichen, die die Fahrt genießen konnten, zumal sich die ersten Blauwale zeigten. Hierbei sah man nie das ganze Tier, auch nie die Schwanzflosse, die bei Buckelwalen so charakteristisch ist - an der Wasseroberfläche erhob sich immer nur ein kleiner Berg, der in einer Fontäne Luft auspustete ... 

 

In unserer Nähe war ein kleines, reines Forschungsschiff, das es sich zum Ziel gesetzt hatte, ein Jungtier mit einem Tracker zu versehen. Eine Drohne setzte in regelmäßigen Abständen zur Verfolgung an, sobald der Wal sich zwischen seinen Tauchgängen zeigte, dabei etwa 5 mal seinen Blas ausstieß, um dann wieder abzutauchen. Die Drohne kam immer einen Augenblick zu spät, um den Tracker sicher plazieren zu können - so ein Ding kostet im Übrigen zwischen 10.000 und 15.000 Australien Dollar. 

Wir konnten dieses Schauspiel jedenfalls eine ganze Weile beobachten. Der Wal schien Spaß dabei zu haben, dauert an Stellen aufzutauchen, die die Forscher nicht erwartet hatten. Irgendwann gesellte sich dann noch ein Albatros dazu, der sich mit der Drohne anfreunden wollte - wunderbar! Wir saßen jedenfalls an Deck und haben staunend genossen. Hatte man all seine Antennen aufgemacht, konnte man die unglaubliche Präsenz dieser wunderbaren Wesen um sich herum spüren! Ein unvergessliches Erlebnis!

Hier kommen ein paar Fotos ...

 

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