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Coral Coast

 

Wir waren inzwischen schon mitten in dem Küstenstreifen den man Coral Coast, also Korallenküste nennt. Hier liegt am westlichsten Punkt Australiens Shark Bay, eine Weltnaturerbestätte. Die Aborigines nennen diese Bucht Gutharrahuda was soviel wie 'zwei Wasser' oder 'zwei Buchten'  heißt. Der Name ist sehr treffend, denn vom Festland ragen zwei Landzungen wie Finger gen Norden und in den Gewässern der geschützten Bucht tummelt sich vielfältiges Leben im Meer. Die äußere der beiden Landzungen geht in eine Insel über - dorthin gibt es nur eine kleine Fähre, die über Wochen im voraus ausgebucht ist, da sie jeweils nur einen Camper mitnehmen kann. Also haben wir die innere Landzunge erkundet, auf der wir wunderschöne Übernachtungsplätze hatten!

 

 

Eher frustrierend empfanden wir den Urlaubsort Monkey Mia an der Spitze der Landzunge. Vor ein paar Jahrzehnten haben dort ansässige Fischer angefangen, Delfine zu füttern, was sich zu einer Touristenattraktion ausgeweitet hat. Die frei lebenden Delfine kommen seither vormittags an den Strand geschwommen und ergattern dort den ein oder anderen Fisch. Wir wurden Zeuge eines traurigen Schauspiels. Ein einsamer Delfin hing lethargisch im Wasser und rührte sich nicht - um ihn herum wurde eifrig fotografiert. Wir waren baff, wie eins dieser so vitalen, lebendigen Tiere derartig apathisch wirken konnte und dachten im ersten Moment, der Delfin wäre tot, was er aber nicht war ... Es war jedenfalls kein schönes Zusammenspiel von Mensch und Tier und wir haben schnell das Weite gesucht und sind stattdessen ein wenig am Wasser entlang spaziert.

 

In Shark Bay gibt es noch eine Besonderheit. Eine Art Barriere aus Seegras und Sand lässt bei Flut Meerwasser in die Bucht fließen, welches bei Ebbe aber nicht wieder abfließt. Das führt dazu, dass der Salzgehalt dort extrem hoch ist. Unter diesen Bedingungen überlebt nicht viel - allein eine Art Muscheln - die sogenannten Fragum Cockles - fühlt sich dort pudelwohl. So gibt es in Shark Bay einen Strand, der nicht aus Sand sondern aus Muschelschalen besteht. Wir hatten uns in fröhlicher Erwartung unsere Schuhe ausgezogen und sie blöderweise auch noch stehen lassen - das haben wir bitter bereut, denn die Muschalschalen waren hart und pieksig - sehr ungewöhnlich ...

 

 

Die Campgrounds abseits der großen kommerziellen Plätze in den Ortschaften wurden immer wilder und schwerer zu erreichen - dazu später mehr -  und so haben wir südlich von Coral Bay auf einer weiten Ebene gecampt, in der es keinen Baum und keinen Strauch gab, dafür unzählige mannsgroße Termitenhügel. Wir durften lernen, dass so ein Hügel über stattliche 100 Jahre alt ist, wenn er eine derartige Größe erreicht. Das Meer war zu Fuß leicht zu erreichen und so haben wir das warme Wasser des Indischen Ozeans genossen.

 

 

Schließlich haben wir uns in Coral Bay einen weiteren Leckerbissen gegönnt - nachdem wir das größte Säugetier, das zur Zeit auf der Erde lebt, gesehen hatten, kam jetzt der größte Fisch dran. Wir haben eine 'Schnorchel-Tour mit Walhaien' gebucht. Als ich noch eine leidenschaftliche Taucherin war, habe ich einmal auf den Malediven 2 Walhaie gesehen - das war schon ein unvergessliches Erlebnis, aber was wir jetzt erleben durften war noch eindrucksvoller.

Zunächst haben wir einen Schnorchelgang an einem küstennahen Riff gemacht - dort war eine Putzerfisch-Station und wir konnten graue Riffhaie dabei beobachten, wir sie sich das Gebiss reinigen ließen. Auch ein paar Schildkröten wurden geputzt. Wir erfuhren, dass der der extrem heiße Sommer und der heftige Cyclon, der im März die ganze Westküste heimgesucht hatte, dem Riff schwere Schäden zugefügt hat - viele Korallen waren schlichtweg abgebrochen und der Rest war aufgrund der hohen Wassertemperaturen weiß und ausgeblichen. Wir erfuhren zu unserer Erleichterung außerdem, dass sich so ein Riff erholt, auch wenn es ein paar Jahre dauert. 

Übrigens war eine Unterwasserfotografin mit an Bord - die Fotos wurden uns später zur Verfügung gestellt ...

 

 

Nach diesem Schnorchelgang fuhren wir aufs offene Meer hinaus. Jetzt wurde es wild! Ein kleines Flugzeug war bereits unterwegs um aus der Luft einen Walhai zu orten - die Position wurde dann an unseren Captain weitergegeben. Das Boot hat und dann quasi direkt vor der Nase des Walhais abgesetzt, sprich - wir sind von einer schmalen Plattform am hinteren Ende des Boots ins Meer gesprungen. Es war total surreal. Wir waren mitten im Blauwasser, um uns herum nur das endlose tiefblaue Meer und dann kam auf einmal wie aus dem Nichts dieser riesige Fisch mit offenem Maul auf uns zu geschwommen - unglaublich! Wir konnten ihn dann ein Stückchen begleiten, bis er langsam und bedächtig abgetaucht ist. Als wir wieder an Bord waren, kamen mir die Tränen - ich war total überwältigt! 

 

 

Wir hatten zwei dieser Schnorchelgänge - beim dritten Anlauf wollte der Walhai offenbar keine Gesellschaft und ist - bevor wir im Wasser waren - abgetaucht, aber egal, die beiden  Walhai-Begegnungen, die wir schon hatten, waren sehr bewegend und haben einen tiefen, bleibenden Eindruck hinterlassen ...

Um die Tiere nicht zu stressen, gibt es klare Regeln - nie mehr als 10 Personen im Wasser, immer mindestens 3 m Abstand halten und dem Walhai nicht vor die Nase schwimmen. 

Walhaie sind im Übrigen Planktonfresser, sie können über 12 m lang werden, die  durchschnittliche Länge der Walhaie hier vor der Küste Westaustraliens beträgt zwischen 7 und 8 m - das war auch in etwa die Länge der beiden Tiere, mit denen wir geschnorchelt sind ...

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Elisabeth Fleischmann (Mittwoch, 10 Juni 2026 14:45)

    Freu mich immer wieder von euch zu hören...Ich schnorchle auch gerne.. solche Begegnungen hab ich noch nie gehabt..!Da wäre ich aber auch überfordert..Wünsche euch beiden eine ganz schöne Zeit!
    Bis bald

  • #2

    Monne (Mittwoch, 10 Juni 2026 18:52)

    Herrliches lesen. Ganz eifersüchtig...❤️