Wir haben uns an unsere ersten Allrad Erfahrungen vorsichtig herangetastet - zunächst nur mit dem Wagen - den Slide On hatten wir auf einem Campground abgestellt. Nachdem das ganz gut ging, wurden wir mutiger und haben erste Stellplätze ausgewählt, die nur mit 4x4 Antrieb zu erreichen waren. Jetzt wurde es zeitweise wild. Die waschbrettartigen Querrillen auf den Sandstraßen waren teilweise so übel, dass wir nur schleichen konnten und wir wurden wüst durchgeschüttelt. Schnell haben wir gelernt, die Luftfederung auf ein Minimum zu reduzieren, damit es ein wenig weicher wird - Schritt zwei war dann, den Reifendruck deutlich zu reduzieren. Wie weit man damit runter gehen kann, hat uns ein freundlicher Aussie erklärt, der uns geholfen hat, als wir zum ersten Mal im Sand stecken geblieben sind und uns mit unseren Recovery Boards wieder rauswühlen mussten - zumindest die hatten wir schon an Bord. Beim nächsten Einkauf kam dann ein kleiner Kompressor ins Gepäck, damit wir die Reifen nach so einer Sandstraße wieder aufpumpen können. Damit erklärte sich, warum am Anfang eines 4x4 Tracks am Straßenrand Off-Road Fahrzeuge mit offener Motorhaube stehen - die Leute dort haben nicht etwa eine Panne, sie sind 'nur' mit ihren Reifen beschäftigt.
Nächste Herausforderung war die Neigung auf diesen Sandwegen. Wir sind relativ hoch und unser Schwerpunkt dementsprechend auch - also geht es immer darum, eine Spur zu finden, die uns neben all dem Gerüttel nicht zu sehr in Schieflage bringt. Gott sei Dank ist Peer ein wunderbarer Autofahrer - ich drücke mich noch davor, uns über solche Wege zu manövrieren ...
Der nächste Punkt auf unserer Lernkurve war, dass alles guuut befestigt sein muss. So haben wir unseren zusätzlichen kleinen Wasserkanister, der hinter der Hinterachse angebracht war, eingebüßt - irgendwo haben wir ihn wortwörtlich abgeschüttelt. Die Rückfahrkamera konnten wir gerade noch rechtzeitig mit Kabelbindern sichern.
Was wir auch schnell gelernt haben, ist anhand der Kommentare in der Camping-App abzuwägen, ob die heftige Anfahrt den schönen Platz lohnt ...
Nach all diesen ersten Erfahrungen haben wir uns richtig ins Outback gewagt - vor uns lag eine Strecke von gut 300 km über unbefestigste Straßen zum Mount Augustus und dasselbe nochmal zurück. Natürlich erkundigt man sich da erstmal nach dem Straßenzustand. In Gascoyne Junction, dem letzten Ort, der noch über eine asphaltierte Straße zu erreichen ist, wurde uns versichert, dass nach dem Zyklon, der vor gut zwei Monaten auch diese Region heimgesucht und für ziemliche Verwüstungen gesorgt hat, alle Gravel Roads mit der Planierraupe bearbeitet wurden und der zu erwartende Zustand demnach recht gut sei ...
Also haben wir uns ins Abenteuer gestürzt. Unsere erste Etappe betrug nur etwa 60 km, dann haben wir einen ersten Stopp in den Kennedy Ranges eingelegt. Dort durften wir erstmal putzen - im Inneren unseres Slide-Ons hatte sich auf alles eine hübsche rote Staubschicht gelegt. Um es bildlich zu veranschaulichen - wenn man mit knapp 70 km/h über eine Staubstraße düst, sieht man hinter sich im Rückspiegel nur eine riesige rote Wolke und kann schon erahnen, was einen bei Ankunft erwartet. Da unsere Eingangstür auch hinten ist wurde uns spätestens jetzt klar, dass sie nicht 100%-ig schließt.
Wir wollten uns für die Weiterfahrt als lernfähig erweisen, was leider nur zum Teil von Erfolg gekrönt war - aber für die verbleibenden 260 km zum Mount Augustus haben wir zumindest die Sitzecke mit Tüchern zugedeckt und die kleinen Teppiche ins Bad gelegt, das zum Glück nicht Teil der Staubhölle war. So haben wir uns nach einem bezaubernden Sonnenaufgang auf den Weg gemacht.
Während der ganzen Strecke zum Mount Augustus waren wir mehr oder weniger allein. Uns sind nur 3 Road-Trains begegnet, 2 Kängurus, 1 Kuh und ein paar Raubvögel - sonst war da nichts - nur die unendliche Weite des australischen Outbacks. Die Farmen, die es hier gibt heißen Stations und auch die sind riesig. Die größte Station ist etwa so groß wie Mecklenburg Vorpommern. Die Rinder, die hier gezüchtet werden, haben also viel Platz zum Weiden. Den brauchen sie auch, denn Grünzeug -geschweige denn Gras- ist nur spärlich vorhanden, die Landschaft ist extrem karg. Die Straße führte uns immer wieder durch ausgetrocknete Creeks in denen Bäume bei minimalster Wasserversorgung ums Überleben ringen. Die Sonne knallt erbarmungslos auf die weiten Ebenen nieder, alles ist staubtrocken - die Luftfeuchtigkeit beträgt gerade mal 15%.
Nach mehreren Stunden Fahrt, in denen sich die Landschaft immer nur unmerklich marginal verändert hat, tauchte in der Ferne ein großer Berg auf - der Mount Augustus. Wir waren unserem Ziel also nahe.
Auf dem Campground angekommen haben wir zunächst die Rückwand unseres Slide-Ons entstaubt, bevor wir einen Blick ins Innere gewagt haben. Diesmal war die rote Staubschicht verheerend, unsere Vorsichtsmaßnahmen waren also ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch die nassen Lappen, die wir hinter der Tür auf den Boden gelegt hatten, waren einfach nur staubverkrustet. Es hieß also wieder putzen, putzen, putzen und kreativ werden - schließlich lag der Rückweg noch vor uns. Also lautete die Preisfrage, wie man der roten Staubhölle halbwegs Herr werden kann.
Im leider nur mittelprächtigen kleinen Restaurant auf dem Campground hörten wir abends von diversen Pannen, die andere Reisende heimgesucht hatten. Standard waren kaputte Reifen, den Vogel abgeschossen hat ein Camper, dessen Wasserhahn bei dem Gerüttel abgebrochen war - 130 Liter Trinkwasser haben sich über alles ergossen und mit dem roten Staub zu einem ekligen Brei vermengt - von nun an gehört bei uns 'Wasserpumpe abschalten' zur Abfahrts-Kontrolle.
Nach diversen Grübeleien und Gesprächen haben wir es für die Rückfahrt mit zwei neuen Tricks versucht, die beide wirkungsvoll waren. Den hinteren Bett-Bereich haben wir mit einer Folie abgeklebt und somit dicht gemacht und nachdem die Sitzecke wieder abgedeckt war haben wir kurzerhand die Eingangstür mit Gaffer zugeklebt. Das war der Bringer! Da es am Vortag außerdem geregnet hatte, war die Rüttelstraße sowohl weicher als auch nicht so staubig. So hatten wir eine wunderbare Rückfahrt nach Gascogne Junction.
Diesmal haben wir eine Adlergang bei ihrem Festmal an einem Stück Roadkill aufgescheucht, eine Kuhherde vor uns hergetrieben und irgendwann kamen uns 3 Militär-Landrover entgegen - ansonsten waren wir während der über 300 km wieder mutternseelenallein und mussten diesmal sogar kaum putzen!














Kommentar schreiben
Udo Wagner Imkerverein Lichtenrade (Samstag, 18 Juli 2026 09:18)
Hallo ihr zwei, immer wieder toll eure Reiseberichte zu lesen, es ist echt spannend und wir bewundern euren Mut so etwas auf sich zu nehmen. Und die Fotos sind natürlich einfach toll. Liebe Grüße